ecdl: gedankenlose kompetenz #01

ich wurde gestern nachmittag getestet, für den „europäischen computerführerschein“, ecdl (european computer driving license)

im prinzip kling das ja sogar relativ einleutend: leute die an einen computer gehen sollten erstmal wissen wie man einen computer benutzt, und wie er (vielleicht nicht in allen details) überhaupt funktioniert
man könnte sich darum streiten ob die heutige software nicht erheblich einfacher zu benutzen ist und somit soetwas überflüssig ist, ich bezweile das, weil ich keine graufische benutzeroberfläche kenne die die funktionsweise der ‚darunterliegenden‘ funktionen konsequent korrekt beschreibt
ich halte das für einen großen irrtum, es wird viel mehr ein paralleluniversum für benutzer geschaffen, eine benuzeroberfläche die die eigentlichen prozesse in eine möglichst ‚einfache‘ und hintergrundlose darstellt, nicht ‚vorhandene‘ dinge erfindet, und ‚zu komplizierte‘ dinge konsequent versteckt hält (was auch ein wesentlicher grund dafür ist das die betriebssysteme immer größer werden, ohne viele sichtbare fortschritte zu zeigen)
das sehe ich als einen fehler an
ich denke es ist eine strategie des industriezeitalters war die menschen die maschienen die sie eigentlich zur fertgung von produkten benutzen sollten, nur noch einem möglichst geringen teil der funktionsweise der maschiene kennen, nämlich genau soviel um die mschiene reibungslos am laufen zu halten
sie wurden vom benutzer zum bediener
ehm ja.. soviel mal zu den heutigen benutzeroberflächen

jedenfalls habe ich eine relativ klare vorstellung was ein ‚computerführerschein‘ sein sollte:
er sollte zeigen wie ein computer hardwaremaßig aufgebaut ist und wofür die einzenlen geräte da sind
er sollte zeigen was elektronische datenverarbeitung überhaupt ist, also erkläten wie man mit strom bits manipulieren kann
er sollte zumindest grob zeigen was ein programm ist, was programmieren bedeutet, und welche verschiedenen ‚arten‘ von programmen (ausführbare binärdateinen, scripts, bytecode und sowas) es gibt
er sollte zeigen wofür der kernel verantwortlich ist, was eine api ist und wie anwendungsprogramme sie benutzen
er sollte zumindest grob zeigen wie netzweke funktionieren, was ein protokoll ist und bei wem die daten die man in netwerken herumschickt ankommen und bei wem welche daten ankommen können
er sollte eine übersicht über das web geben, wege zur informationsbeschaffung zeigen und einen kritischen umgang mit informationen fördern
er sollte ein überblick über das softwareangebot, verschiedenen entwicklungsmodelle, philsophien und hintergründe der softwareentwicklung geben
er sollte die verschiedenen desktopumgebungen für Windows, KDE; GNOME und Mac OS X erklären, die verschiedenen konzepte des festermanagements, und dem umgang mit systemtools, webbrowsern, mailclients und sie grobe kenntnis von einigen anwendungsprogrammen
wer diese kenntnisse hat könnte sich ruhig an einen computer begeben und ihn für seine zwecke nutzen, fehler gut einordnen und oft beheben, und sich tiefer gehende informationen einfach selbst zu beschaffen

jetzt zum lehrgang:
in der woche von 2006/10/23 bis 2006/10/29 sollten wir, die azubigruppe der mediengestalter und büroarbeiter des zweiten lehrjahres aus meinem ausbildungsbetrieb einen lehrgang besuchen
er fand in einer berufsschule im selben ort statt, ‚lehrer‘ wahren je ein ausbilder aus beiden ausbildungsbereichen, wobei der ausbilder der mediengestalter offen zugab das er keine ahnung von windows hat weil er sonst mit mac-os arbeitet, und der andere scheinbar auch nicht viel mehr konnte als er unterrichtete
in den erstem teil gings
inhaltlich war es aus meiner sicht einfach unzureichend und schlecht
es wurde ein bisschen unorganisiert erklärt wie man auf dem desktop herumklickt, dateien mit dem explorer herumwirft, die ’systemsteuerung‘ offnet und da ein paar sachen umstellt
die theoretischen grundlagen waren dabei oft halbwahrheiten oder gänzlich falsch („explorer“ war z.b. ausschließlich ein dateimanager mit einer ‚ordnerleiste‘ das er praktisch den ganzen dektops darstellt und mit dem internet-explorer fest verschmolzen ist, was eine sehr spezielle eigenschaft won windows ist wurde nicht erwähnt)
der editor wurde lediglich als einfaches textverarbeitungsprogramm gesehe
keiner der kursteinehmer der es nicht schon vorher wusste hat gelernt was die registry ist, was libarys und ausführbare binary sind

eigentlich wollte ich jetzt zu der eigentlichen prüfung kommen, die währe sie eine parodie auf das verhältnis zwischen computern und arbeitnehmern, sehr amüsant währe
ich werde es wahrscheinlich am freitag weiterschreiben und ein paar fehler korrigieren.. jetzt muss ich erstmal den rest der woche weg :/

–marti

2 Responses to “ecdl: gedankenlose kompetenz #01”


  1. 1 marti Do 2006/Nov/02 um 13/23/20

    das wort „bediener“ stammt übrigens von joseph weizenbaum :)


  1. 1 Mission ECDL « Ewige Dunkelheit Trackback zu Do 2007/Sep/13 um 10/36/54

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